Das Meer
Das Blau knallt nur so vom Himmel herunter, die Sonne blendet. In mir peitschen hohe Wellen der tiefschwarzen See an die triefenden Ufer. Wie angegossen kleben nasse Haarsträhnen mir im Gesicht, nur um von der nächsten Flut wieder weggewischt zu werden. Klammernd an einem Felsvorsprung, der so glitschig zwischen meinen Fingern immer wieder wegzurutschen droht, halte ich mich noch. Dabei bin ich selbst hier heruntergeklettert. In die Tiefe, mitten hinein in das eigene Unglück.
Mit der freien Hand, fest auf die linke Brust gepresst, rief ich in die Allnacht, so laut ich konnte. Nun flossen sie aus mir, all die betrüblichen Vorwürfe, Ängste. Und mein Gegner das Dunkel, das wütete. Entlang der Küste spritzte weiter das Wasser empor. Eine Erwiderung, also antwortete ich erneut. So kraftvoll der Lärm dieser Natur, so schwer fiel es mir, die Gedanken zu hören, mit denen sich dieser Sturm bezwingen ließe.
Vor einer Weile schon hatte ich das gelegentliche Flackern neben dem Horizont wahrgenommen. Jetzt kam es näher. Ob es gutes Licht war, das vielleicht die unsäglichen Wassermassen beruhigte, oder doch nur die erzürnten Boten des Himmels auf dem Weg zur Erde—ich konnte es nicht erkennen. Ich konnte nur hoffen. Was mit mir passieren würde, darin lag nur noch Gleichgültigkeit. Mir ging es viel eher um die, die ich zurückgelassen hatte. Für sie führte ich den Kampf, der mich meine Helle kosten könnte.
Hagel prasselte und ich schrie immer noch. Die Körner waren groß wie Nüsse, doch sie schlugen nur unmerklich ein. Zu taub war meine Haut von der Kälte. Ein Windstoß nun ließ mich endgültig meinen Halt verlieren. Auf dem Algenteppich glitt ich zur Kante, und mit einem letzten Stoß riss es mich in die Tiefe. Ich stürzte und stürzte und dann weiß ich nichts mehr.