Frei und kreativ arbeiten kann ich nicht gut. Eine leere, weiße Seite überfordert mich schnell. Mit einigen Einschränkungen und funktionalen Leitplanken komme ich deutlich besser klar. Vive la Funktionalismus!
»Grief is such a solid promise/ Joy just leaves you in the rain«
In der S-Bahn nach Altona, Blumenerde im Baumarkt kaufen. Neben mir sitzt jemand mit einer Tefal Heißluftfritteuse. Draußen läuft jemand mit einem Karton vorbei, auf den eine Ukulele gedruckt ist. So tragen wir alle unsere Päckchen.
Ich machte mir eine Scheibe Brot, mit Bionella und einer geschnittenen Erdbeere darauf. Beim ersten Bissen fällt mir ein Stück Erdbeere auf mein Handy, das ich in der linken Hand halte. Auf dem unteren Teil des Bildschirms wird so die Diktierfunktion aktiviert—und im Eingabefeld steht: »Fuck«.
»Wenn ich nicht weiß, was ich unternehmen soll, macht mir das nichts aus. Weil ich ohne Plan im Zweifelsfall dort bin, wo ich eh sein will—zu Hause.«
Seit 8.30 Uhr liege ich wach im Bett. Geweckt von meinem Wecker. Durch das offene Fenster zum Innenhof ertönen aus verschiedenen Wohnungen andere, aber doch bekannte Klingeltöne. Die Welt wacht auf.
Mit zitternden Händen erwarte ich das Schlimmste. Schon Stunden vorher bin ich mit meinem Kopf bei den vielen Fragen, die ich habe. Und bei der Angst, die mich die letzten Wochen durchlöchert hat. Danach dann Leere und eine komische Gleichgültigkeit. Fragen sind immer der Mühe wert, Antworten nicht immer.
Ich treffe C. und wir sprechen über das frühe Internet, wie KI unsere Arbeit beeinflusst, den CSD und die AfD, Musik und das Schreiben, Zeichnen und Malen. Und wieder einmal erkenne ich: Jedes einzelne Leben ist so voll mit komplexen Facetten, die uns am Ende ausmachen. Sonder! Solche Einblicke sind so wertvoll, und ich dankbar, dass Menschen meine Einladungen manchmal annehmen.
»So fühlt sich Freiheit an,« denke ich, als F., P. und ich mit der Fähre nach Mönkeberg übersetzen. Wind in den Haaren, die Sonne streichelt meine Haut. Wir essen Pommes Rot-Weiß. Es sind jedes Mal die kleinen Dinge.
Glitzer, Hundemasken, Madonna. Schilder, Fahnen, Sticker. So ein bunter Tag, ich kann mich nur freuen—genieße jede Minute und schöpfe Mut, bei jedem Kuss, den ich beobachte. Dann der Terroranschlag. Wir erfahren davon durch Nachrichten von besorgten Freunden. Irgendwie hatte ich eine Vorahnung, dass etwaiges passieren muss. Und doch tut es weh. Haltung ist hot. Haltung ist aber vor allem wichtig. Plus que jamais. Wir bleiben laut!