Lebensprofile

Alle gängigen Browser haben mittlerweile ein Feature, das sich »Profile« nennt. Dabei geht es darum, den Verlauf, Favoriten, Zugangsdaten, Cookies und mehr zu trennen. So hat man vielleicht eines für die Arbeit und ein anderes für private Vergnügen.

Wäre es nicht großartig, so etwas im echten Leben auch zu haben? Die Möglichkeit, unabhängig von anderen Teilen des Lebens, in einen spezifischen Bereich abzutauchen, ohne, dass dieser auf den Rest Einfluss nimmt? So trennt man hier eher Ängste, Beziehungen, Gegenstände, Geschmäcker und Ansichten.

Am naheliegendsten wären ebenfalls Privates und Arbeit. Aber so vieles mehr wäre möglich: Ein Profil für die Kunst, ohne die Angst, nicht gut genug zu sein. Das soziale Ich als Gegensatz zum Introvertierten. Partymaus und Intellektueller. Dem Ganzen die Krone aufsetzen würde die Perspektive, selbst die Energie dieser Varianten als unabhängig zu betrachten: Verpflichtungen wären erledigt und die Kraft für Leidenschaftsprojekte noch gar nicht angebrochen.

Natürlich ist das völlig abstrus, denn all diese Überschneidungen und Widersprüche formen letztendlich einen Charakter aus uns. Wahrscheinlich würde ich nach diesem Vorschlag nicht leben wollen. Und dennoch kann ich einen gewissen Reiz nicht abstreiten.

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