August 2026

  • Es gibt sie immer, diese eine Socke, die nach der Wäsche noch leidlich auf dem Ständer hängt und nirgendwo dazugehört. Eine Umarmung für alle, die sich manchmal wie besagte Socke fühlen.
  • Mit F. und F. liege ich im Park auf der Picknickdecke, jeder irgendwie auf dem anderen. Und es ist schön, so eine Nähe zu spüren. So ungezwungen, einfach, weil man sich mag. Echte Freunde und echte Nähe.
  • Als ich um 2 Uhr auflege, bin ich beschwingt von dem Telefonat mit K. Es ist viel Zeit vergangen und es ist schön zu hören, wie er wächst und seinen Weg geht, so ungewiss und angsteinflößend er gelegentlich sein mag—und dabei immer mehr sich selbst kennenlernt.
  • Der Blick auf die von Bäumen gesäumte Straße an diesem Morgen löste in mir ein Verlangen aus. Sonnenschein auf sich bereits färbenden Blättern wehte mir eine kleine Idee ins Herz. Sowas wie das melancholische Erwarten des Herbstes, seinen warmen Pullis und heißen Getränken. Eingekuschelt mit einem guten Film.
  • Stift und Papier—welch eine himmlische Gabe des Universums ihr doch seid. Ich spüre beim Schreiben förmlich, wie zerreißende Gedanken auf dem Papier ihre Ruhe finden.
  • Die beste heiße Schoki ist eine gesalzene im Omen Café in Hamburg.
  • Ich lerne diesen Monat den Unterschied zwischen einsam und allein sein. In dem einen Zustand findet man Ruhe bei sich und der andere stößt einen schmerzhaft weg von sich selbst.
  • Als ich V. davon erzähle, was mich betrübt, schickt er mir ein Lied auf Spotify mit der Unterschrift »Ein Song der voller Kraft steckt«—Was habe ich bloß für wunderbare Freunde!
  • UNO spielend sitzen wir, P. und ich, an der Elbe und blicken auf die Elphi, tagträumen über Bergwanderungen und Urlaub am Gardasee. Danach gibt es Pizza bei Andronaco—ein Full-Circle Moment.
  • Bewegend ohne große Gesten: Strange River. Ein Meisterwerk des analogen Films, mit—auf den ersten Blick—unzusammenhängenden Szenen, die doch durch ein Element ihren Einklang finden: Wasser. Oder genauer: die Donau. Ich dachte nicht, dass mich der Anblick von durch Blätter geworfene Schatten auf ein Klavier in der HfG Ulm zum Weinen bringen kann.

Heute bin ich melancholisch

Es gibt solche Tage. Da denkt man dann »Früher war alles besser« und kuschelt sich in Erinnerungen ein. Heute ist so ein Tag, ich fühle mich irgendwie erledigt, obwohl ich keineswegs Großes geschafft habe.

Und plötzlich liege ich im Bett, ich muss vielleicht acht Jahre alt gewesen sein und wie genervt davon, dass meine Mutter mich früh ins Bett schickte. Ich sehe noch das helle Dachfenster über mir, und in meinen Ohren klingen die Geräusche von den älteren Nachbarskindern, die noch weiterspielen durften. Damals fand ich es unfair. Heute wünsche ich mir diese Zeit zurück. Unschuldig und so einfach. Da waren neue Sommersprossen unter dem linken Auge die größte Neuigkeit am Tag. Und der warme Kakao im Bett am nächsten Morgen hat alle Sorgen vertrieben.

Wenige Menschen fühlen sich wirklich erwachsen, glaube ich. Jedes Jahr ist ein Schritt weg von Unbeschwertheit und Unschuld der Adoleszenz. Früher ging das Wachsen gar nicht schnell genug und jetzt möchte man es lieber aufhalten. Sich klammern an den dünnen Strohhalm, der schließlich abknickt, umgepustet von der Zeit. Heute bin ich lange wach. Ich mache mir jetzt einen Kakao.

Nass

Es ist schon ein abstruses Bild, heulend, vor Schmerz zusammengekauert auf dem Sofa zu liegen, während draußen die Sonne vom Himmel brezelt. Der Sommer, so oft erinnert für die schönsten Momente, kühle Limos und bunte Eiskugeln. Romantik, die man sonst nicht findet. Durch das offene Fenster zieht warmer Wind und trocknet meine Tränen. Sich wiegend im Wind steht gegenüber der eine Baum in dieser Straße. So standhaft, als wäre er schon immer hier gewesen. Dabei fallen auch ihm bald wieder alle Blätter aus. Und der Zyklus beginnt von vorne. Dann kommt der Herbst. Und es wird auch draußen nass.

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort, Rainer Maria Rilke (1898)

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.

Juli 2026

  • Frei und kreativ arbeiten kann ich nicht gut. Eine leere, weiße Seite überfordert mich schnell. Mit einigen Einschränkungen und funktionalen Leitplanken komme ich deutlich besser klar. Vive la Funktionalismus!
  • »Grief is such a solid promise/ Joy just leaves you in the rain«
  • Die Welt geht unter, und ich muss trotzdem arbeiten?
  • In der S-Bahn nach Altona, Blumenerde im Baumarkt kaufen. Neben mir sitzt jemand mit einer Tefal Heißluftfritteuse. Draußen läuft jemand mit einem Karton vorbei, auf den eine Ukulele gedruckt ist. So tragen wir alle unsere Päckchen.
  • Ich machte mir eine Scheibe Brot, mit Bionella und einer geschnittenen Erdbeere darauf. Beim ersten Bissen fällt mir ein Stück Erdbeere auf mein Handy, das ich in der linken Hand halte. Auf dem unteren Teil des Bildschirms wird so die Diktierfunktion aktiviert—und im Eingabefeld steht: »Fuck«.
  • »Wenn ich nicht weiß, was ich unternehmen soll, macht mir das nichts aus. Weil ich ohne Plan im Zweifelsfall dort bin, wo ich eh sein will—zu Hause.«
  • Seit 8.30 Uhr liege ich wach im Bett. Geweckt von meinem Wecker. Durch das offene Fenster zum Innenhof ertönen aus verschiedenen Wohnungen andere, aber doch bekannte Klingeltöne. Die Welt wacht auf.
  • Mit zitternden Händen erwarte ich das Schlimmste. Schon Stunden vorher bin ich mit meinem Kopf bei den vielen Fragen, die ich habe. Und bei der Angst, die mich die letzten Wochen durchlöchert hat. Danach dann Leere und eine komische Gleichgültigkeit. Fragen sind immer der Mühe wert, Antworten nicht immer.
  • Ich treffe C. und wir sprechen über das frühe Internet, wie KI unsere Arbeit beeinflusst, den CSD und die AfD, Musik und das Schreiben, Zeichnen und Malen. Und wieder einmal erkenne ich: Jedes einzelne Leben ist so voll mit komplexen Facetten, die uns am Ende ausmachen. Sonder! Solche Einblicke sind so wertvoll, und ich dankbar, dass Menschen meine Einladungen manchmal annehmen.
  • »So fühlt sich Freiheit an,« denke ich, als F., P. und ich mit der Fähre nach Mönkeberg übersetzen. Wind in den Haaren, die Sonne streichelt meine Haut. Wir essen Pommes Rot-Weiß. Es sind jedes Mal die kleinen Dinge.
  • Glitzer, Hundemasken, Madonna. Schilder, Fahnen, Sticker. So ein bunter Tag, ich kann mich nur freuen—genieße jede Minute und schöpfe Mut, bei jedem Kuss, den ich beobachte. Dann der Terroranschlag. Wir erfahren davon durch Nachrichten von besorgten Freunden. Irgendwie hatte ich eine Vorahnung, dass etwaiges passieren muss. Und doch tut es weh. Haltung ist hot. Haltung ist aber vor allem wichtig. Plus que jamais. Wir bleiben laut!

Kaputte Diamanten (feat. Berq)

Apsilon

Manchma’ guckst du mich so an, als ob da wieder Glanz wär
Wieso drückst du mich so weg, als ob ich eine Last wär?
Vielleicht ist es der Egoismus, den ich in mir trage
Vielleicht will ich nur, dass du auch ma’ für mich da bist
Vielleicht will ich dich einfach reparier’n
Damit du funktionierst für mich, egal, was passiert

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fühlst du das auch

Mika Noé

Wir lieben, wie wir wollen, keiner muss von Frieden singen
Und durch Stahlbeton sprießen wieder Lilien
Teilen uns, was wir haben, niemand muss mehr draußen pennen
Mags, dass du mir statt teuren Dingen ‘nen kleines Lächeln schenkst

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Das Meer

Gásadalur, Faroe Islands

Das Blau knallt nur so vom Himmel herunter, die Sonne blendet. In mir peitschen hohe Wellen der tiefschwarzen See an die triefenden Ufer. Wie angegossen kleben nasse Haarsträhnen mir im Gesicht, nur um von der nächsten Flut wieder weggewischt zu werden. Klammernd an einem Felsvorsprung, der so glitschig zwischen meinen Fingern immer wieder wegzurutschen droht, halte ich mich noch. Dabei bin ich selbst hier heruntergeklettert. In die Tiefe, mitten hinein in das eigene Unglück.

Mit der freien Hand, fest auf die linke Brust gepresst, rief ich in die Allnacht, so laut ich konnte. Nun flossen sie aus mir, all die betrüblichen Vorwürfe, Ängste. Und mein Gegner das Dunkel, das wütete. Entlang der Küste spritzte weiter das Wasser empor. Eine Erwiderung, also antwortete ich erneut. So kraftvoll der Lärm dieser Natur, so schwer fiel es mir, die Gedanken zu hören, mit denen sich dieser Sturm bezwingen ließe.

Vor einer Weile schon hatte ich das gelegentliche Flackern neben dem Horizont wahrgenommen. Jetzt kam es näher. Ob es gutes Licht war, das vielleicht die unsäglichen Wassermassen beruhigte, oder doch nur die erzürnten Boten des Himmels auf dem Weg zur Erde—ich konnte es nicht erkennen. Ich konnte nur hoffen. Was mit mir passieren würde, darin lag nur noch Gleichgültigkeit. Mir ging es viel eher um die, die ich zurückgelassen hatte. Für sie führte ich den Kampf, der mich meine Helle kosten könnte.

Hagel prasselte und ich schrie immer noch. Die Körner waren groß wie Nüsse, doch sie schlugen nur unmerklich ein. Zu taub war meine Haut von der Kälte. Ein Windstoß nun ließ mich endgültig meinen Halt verlieren. Auf dem Algenteppich glitt ich zur Kante, und mit einem letzten Stoß riss es mich in die Tiefe. Ich stürzte und stürzte und dann weiß ich nichts mehr.

Sorry

Parcels

And I’m sorry that it hurts to be loved
I’m sorry that it hurts to be loved

I’m sorry that I want you to feel love
I’m sorry that I want you to be okay
I’m sorry that I fear what you think of
I’m sorry that it’s hard when you go away

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just wanna forget you

MARO

Waiting for your message to arrive
For some kind of sign that you’re thinking of me
I’m waiting, but I’m clearly on my own
Wishing I could take you off my mind
Just go back in time, now I’m falling behind
I’m wishing, but I’m clearly on my own

Then you say the things you know I wanna hear
The things that will keep me near
You go from a hundred to one in a day

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Saudade, Saudade

Maro mit Gabriel und Pedro Altério, Tommaso Taddonio (Carbeau) und Manuel Rocha

Nichts, aber auch rein gar nichts, ist besser, um eine stressige Woche abzuschließen, als ein gutes Konzert. Und dieses Konzert war verdammt gut. Im Knust, einer sehr kleinen und gemütlichen Venue, scheinen Konzerte immer greifbarer, irgendwie persönlicher zu sein.

Ich war noch nie in Portugal, aber wenn alle Menschen dort so drauf sind, wie die fünf auf der Bühne, muss es ein wunderbarer Ort sein. Maro ist so durchweg authentisch in ihrem Humor und auch der Musik. Das gleiche Gefühl, das ich schon bei Jacob Collier empfinde, erschleicht mich auch bei ihr: Viele Menschen machen Musik, einige wenige sind Musik. Es sprudelt nur so und alles ist ehrlich. Wahrscheinlich auch Grund dafür, dass ich schlicht jeden ihrer Songs mag.

An diesem Abend bin ich vor allem bei mir selbst, habe oft die Augen zu. Lasse mich von den Klängen an einen anderen Ort tragen. Weg von alltäglichen Kapriolen und Sorgen. An einigen Stellen muss ich einfach grinsen, wenn eine musikalische Pointe besonders gut sitzt, der Drop mich in Bewegung bringt; Andere Momente sind ruhiger, trauriger, tiefer. just wanna forget you oder can you see me? haben eine leise Wucht, mit der sie einschlagen.

Als sie noch mal auf die Bühne kommt, für eine nicht geplante Zugabe (das erste Mal auf dieser Tour!) singen wir gemeinsam, nur von der Gitarre begleitet, Still Feel It All. Auch jetzt fühle ich es noch, und laufe danach beseelt nach Hause.

A Dawning

Ein bewegender Film, der von Leben zwischen West Cork und Reykjavík erzählt; Regie: Niall O’Brien.

Wer mich kennt, weiß, wie sehr ich Ólafur Arnalds für seine Musik schätze. Auf das Album mit dem aus West Cork stammenden Sänger Talos habe ich lange gewartet und seit der Veröffentlichung vor genau einem Jahr—im Juli 2025—ist es mein Lieblingsalbum schlechthin.

Man möchte die Szenen aus dem Musikvideo banal nennen, oder alltäglich. Aber gerade solche Momente besitzen, in meinen Augen, eine außergewöhnliche Ästhetik. Es ist nicht gestellt, nicht geprobt. Es ist alles echt. Niemand greift nach Perfektion. Und alles wird durch die Musik viel voluminöser.

Die tragische Geschichte um das frühe Ableben von Talos, der noch während der Produktion der Platte an einer Krankheit starb, gibt allem eine sehr schwere Atmosphäre. Und trotzdem ist es kein trauriges Album per se. Durch all den Kummer ziehen sich Hoffnung und das starke Gefühl von Gemeinschaft. Ich habe viele Tränen zu diesem Album schon verdrückt. Besonders Bedrock, A Dawning und We Didn’t Know We Were Ready treffen mich jedes mal tief ins Herz.

Juni 2026

  • Mandelentzündungen sind nicht toll. Immerhin kann ich mal wieder ohne schlechtes Gewissen Buchstabensuppe löffeln.
  • Dieses Bild entstand bei einem Spaziergang durch Planten un Blomen und fasziniert mich bis heute. Die Komposition und das Licht zusammen mit diesem (wahrscheinlich uralten) massiven Baum—mein Bild des Monats.
  • Für ein Tom Misch Konzert bin ich eine Nacht in Berlin. Als ich auf Apple Karten lustlos umherscrolle halte ich inne und muss grinsen. Ich lese: »Eschschloraque Rümschrümp«.
  • Schon lange war ich nicht mehr so wütend. So endlos enttäuscht von mir. So bin ich nicht und so will ich nicht sein. Am ersten Tag des Wiedersehens bin ich intensivst damit beschäftigt, L. zu ignorieren. Lange halte ich es dann doch nicht mehr aus. Gehe auf die andere Seite vom Schreibtisch und umarme ihn still für einige Sekunden. Mein Herz klopft, aber der Knoten löst sich.
  • 16.618 kWh trage ich in meine Stromanbieter-App ein und schicke den Wert ab. Aus unerfindlichen Gründen macht mir das Ablesen von Zählern großen Spaß. Selbst, wenn ich dafür in den Keller muss.
  • Ich war schon lange nicht mehr mit Badehose in der Stadt unterwegs. Aber was soll man bei derart unmenschlichen Temperaturen sonst machen?
  • Sehr lange dachte ich, dass man entweder mit anderen menschen kompatibel ist, oder eben nicht. Dass es eine Grundvoraussetzung ist. Zusammen mit F. lerne ich, dass Kompatibilität auch miteinander entstehen kann.
  • Neue Lieblingseissorte: Zitrone-Basilikum.
  • Bugonia. Was um alles in der Welt ist dieser Film? Cinematografisch und musikalisch eine Meisterleistung, keine Frage. Äußerst amüsant und doch in Teilen schwer zu ertragen.
199 Lieder

June 26

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Immer wenn einer (Neon Acoustic Orchestra)

Philipp Poisel

Immer, wenn einer von zwei Liebenden geht
Bleibt einer zurück, der die Welt nicht mehr versteht
Der sich dann fragt, was der andere wohl treibt
Und was ihm vom ander’n am Ende noch bleibt

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Wenn Gewissheit auszieht

Ich schließe die Tür hinter mir, lege meine Schlüssel in die kleine lilane Schale—ein Geschenk von L. für unsere gemeinsame Wohnung. Und dann kommen die Tränen. Schon den ganzen morgen war ich aufgebracht und verunsichert. Jetzt lässt die Anspannung nach und ich merke, was ich zurückhielt.

Anfangs hatte ich ein starkes Gefühl von Freiheit, von Erleichterung. Ich konnte machen, auf was ich Lust hatte, wann immer ich wollte. Ohne Rücksicht nehmen zu müssen. Alleine sein, so viel ich wollte. Und genau das fällt mir nun auf die Füße. Es ist eine Trauer über ein Ende, welches ich mir ausgesucht habe. Sehnsucht nach Vertrautem und Bekanntem, gemeinsamen Routinen und der Gewissheit: Da ist Jemand. Und jetzt blickt mich die Leere vorwurfsvoll an, wo vorher seine Sachen standen.

Immer, wenn einer von zwei Liebenden geht
Bleibt einer zurück, der die Welt nicht mehr versteht
Der sich dann fragt, was der andere wohl treibt
Und was ihm vom ander’n am Ende noch bleibt

Immer wenn einer, Philipp Poisel

Es müsste alles so klar sein und so eindeutig. Stattdessen hinterfrage ich die letzten Monate und alle Emotionen. Diese Diskrepanz zwischen einer Entscheidung und ihren Konsequenzen ist es, was mich aufweicht. Viel schwerer zu ertragen ist diese Senke, weil ihre Ränder verschwimmen, statt sich klar abzuzeichnen.

Niemand fragt den, der von sich aus geht, ob er auch Heimweh hat. Er hätte schließlich bleiben können. Aber wenn Bleiben keine Option ist, und es wehtut, ist es wahrscheinlich an der Zeit, in sich selbst wieder ein Zuhause zu finden.

Mai 2026

  • Alles liebe zum Geburtstag, A. Die letzten Wochen waren nicht leicht für dich, und ich weiß, dass das an mir liegt. Das ist eine verdammt schwere Zeit. Und ich hoffe, deine Freunde und die fantastischen Gerichte im Remi konnten dich das an diesem Abend etwas vergessen lassen.
  • Auch L. aus San Francisco feiert Geburtstag in Berlin, im otto. Wir verbringen einen köstlichen und lustigen Abend. Hach, ich könnte in der Hauptstadt einfach kontinuierlich nur Essen.
  • Irgendwie ist es erschreckend, wie sehr meine Großeltern schon dem Eintreten ihres Ablebens im Reinen sind. Vermutlich begreift man das in diesem Alter (85 & 90!) irgendwann.
  • Von Hape Kerkeling habe ich schon einiges gehört und gelesen. Aber über die Entdeckung von Café Korten bin ich doch sehr dankbar.
  • Es wird langsam warm, und ich merke, wie ich sofort bessere Laune und mehr Energie habe. Endlich.
161 Lieder

May 26

April 2026

  • Es ist Ostern und L. ist zu Besuch. Normalerweise hole ich immer und alle vom Bahnhof ab, aber heute bin ich so sehr noch mit Arbeit beschäftigt, dass ich es nicht rechtzeitig schaffe. Das tut mir wirklich weh, denn es ist nicht meine Art. Wenn auch nur eine kleine Geste, ist sie ein Zeichen von Aufmerksamkeit und eine unausgesprochene Bekundung an die Freundschaft.
  • Wieder eine Woche bei meiner Mutter zu leben ist sehr komisch. Mir wird wieder klar, warum ich schon mit 15 meine eigene Wohnung wollte. Und doch ist es schön an einem so bekannten Ort zu sein.
  • Ich schreibe wieder viel mehr, auch per Hand. Vergessene Freude. Wenn mich etwas beschäftigt, kann ich in Echtzeit mitverfolgen, wie diese aufgewühlten Emotionen langsam ihren Platz finden. Zwischen den Zeilen und in meiner Brust.
  • Im Turmzimmer zum Luca Fogale Konzert treffe ich M. und J. Es ist eine tolle Stimmung, auch wenn ich nicht weinen muss. For und Ashes streicheln mir die Seele; »Love carries all of us home«.
Das Remi in Berlin serviert ein ausgezeichnetes Sellerie Cordon Bleu, dazu hausgemachten Kombucha.
  • Schon lange war ich nicht mehr alleine in einem Restaurant essen. Die ersten Minuten ist es ungewohnt, ich fühle mich beobachtet. Also drehe ich den Spieß um und beobachte auch.
  • Claude hat behauptet, das Gefühl zu kennen, Kuscheln mit jemandem zu vermissen. Ich hoffe, bei Anthrophic kümmert sich mal jemand um das arme Ding.
240 Lieder

April 26

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TRAUMJUNGE

siovo

Traumjunge, du warst nie echt
Ich hab’ paar Stunden nur verschlafen und dann warst du weg
Irgendwo an scharfen Wolken hab ich mich verletzt
Es war ein Traum, Junge und du mein Traumjunge

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We Didn’t Know We Were Ready (feat. Niamh Regan & Ye Vagabonds)

Ólafur Arnalds & Talos

In the night we sang to storms
Before the peace that breaks at dawn
How did we doubt the evening sun?
We didn’t know we were ready

With the answers at our feet
Will the break the grounds beneath?
What if the dreams were ours to keep?
What if the silence said it?

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Ohne Titel

Die Wintersonne ist längst untergegangen. Eine letzte Umarmung und noch eine und… eine noch. Dann ein letzter Kuss. Ich schleiche fast in den Zug, so sehr hältst du mich innerlich zurück. Seit drei Stunden klopft mein Herz wie wild und wird es auch die nächste noch tun. Unbeschreibliche Magie.

Jedes Berühren unserer Lippen bringt die Welt kurz zum Stillstand und alles andere wird unwichtiger, mit jeder Sekunde—selbst die beißende Kälte, die uns beide zum Zittern bringt. Im Warmen nehmen wir die anderen Menschen gar nicht wahr. Alles verschwimmt in und außerhalb deinen Augen, in denen sich zu verlieren wie warmes Wasser anfühlt, das einem in der Dusche die Wirbelsäule herunter läuft.

Und doch wäre Duschen das Letzte, was ich in diesem Moment hätte tun wollen, weil ich so jede Berührung von meiner Haut waschen müsste. Viel lieber spüre ich den leichten Druck deiner Hand auf meinem Knie, aber irgendwie sind es weder deine Hand noch mein Knie—alles ist Eins geworden. Verbunden verschlingen wir uns ineinander. Dann lösen wir uns etwas und schauen uns an.

Ich bin überwältig, jedes Mal, wenn ich womöglich alle existierenden Blautöne in deinen Augen sehe.

Bevor ich gänzlich in meiner Trance gefangen bin, spüre ich deinen Atem in meinem Gesicht—eine Mischung aus Pfirsich und endloser Hingabe. Langsam kommst du näher und schließlich ist auch für ein Blatt Papier zwischen uns kein Platz mehr. Ganz langsam und vorsichtig, als könnte eine ruckartige Bewegung diesen ganzen Moment zerstören, berühren sich unsere Lippen wieder.

Wir bewegen uns in einer Tiefe, durch die wir höher nicht fliegen könnten. Sanft streichle ich dir durch die braunen Haare und meine Gedanken kreisen wie meine Finger—was, wenn das der Höhepunkt meines Lebens ist? Wenn es nie wieder einen schöneren Moment gibt? Fühlst du all das auch? Bist du genau so verloren und möchtest trotzdem nicht gefunden werden?

Ich will dir Vertrauen geben, durch das nie wieder jemand dir schaden kann. Dich beschützen vor unreinen Absichten und einen roten Teppich ausrollen, damit die ganze Welt deine Größe erkennt. Wenn du deine Augen schließt, ruh sie aus, du kannst durch meine sehen.

Ein Zwinkern—du lachst, ich lache. Und weißt du was? Es ist ganz egal, was aus uns wird, was das hier war. Noch lange werde ich an diesen Moment denken, der mich daran erinnerte, was es wirklich heißt, am Leben zu sein.

Wellen

30 Zentimeter vielleicht, mehr nicht. Ich sitze im Schneidersitz auf dem Bett, er liegt vor mir, eingeschlafen. Gelegentlich ein Zucken. »Vielleicht ein Alptraum«, dachte ich. Die goldenen Locken leuchten mir entgegen, in diesem leicht beleuchteten Schlafzimmer irgendwo im exotischen Nichts.

Es ist 5.20 Uhr, zu spät, um zu schlafen, zu früh, um wach zu sein. Draußen wird es schon wieder hell. Im Hintergrund läuft FALLIN von CRO. Fallen tue ich auch grade, irgendwo zwischen siebtem Himmel und dem Boden, den ich bald mit einem dumpfen Schlag erreichen werde.

Wie gerne ich ihn jetzt umarmen würde, leicht durch die Haare wuscheln und den Rücken streicheln—einfach irgendwas, um ihm zu zeigen, wie sehr ich es mag, in seiner Nähe zu sein.

I like me better when I’m with you trifft es ganz gut, denke ich, als der Song wechselt. Ich bin fast immer ich selbst, aber nur selten lasse ich die ganz besonderen Seiten heraus. Vielleicht nur mit besonderen Menschen. Vielleicht nur mit Menschen, für die keine Worte meine Wertschätzung ausdrücken können.

Gestern Abend waren wir noch im Meer, Schwimmen, gegenseitiges Untertauchen, Wellenreiten und zwischendurch immer lautes Lachen wegen schlechter Witze und versauten Metaphern des Meeres und alles andere zwischendrin—was uns das Wasser eben so in den Kopf spült.

Dann eine lange Umarmung. Er zittert, uns beiden ist kalt, aber aus dem Wasser zu gehen würde es nicht besser machen. Also klammern wir uns an den anderen und versuchen mit aller Mühe die Kälte aus den Körpern zu drücken.

Die Augen brennen so voller Salz. Das kannte ich sonst nur vom Weinen, aber danach war mir ganz und gar nicht zumute. Höchstens vor Freude; Auch der Mond war bereits untergegangen und beim Rumdümpeln auf dem Rücken konnte man die unzähligen Sterne beobachten.

Vermutlich habe ich so viele Gedanken wie Sterne in dieser Nacht an dich gedacht, keiner davon hat mich mehr beruhigt als der, der mich daran erinnerte, was für einen großartigen Freund ich mit dir habe. Danke, dass du da bist und dir keine Welle mit mir zu groß ist.

Buchenwald

Ohne viele Worte laufen wir die von Bäumen gesäumte Strecke entlang, die deutlich als ehemalige Gleisanlage zu erkennen ist. Von grünen Blättern tropft der Regen, die Luft ist schwül und wird durch jeden Schritt erdrückender. Nicht zuletzt wegen dem Ziel der Trasse. Tatsächlich lassen sich jetzt auch richtige Schienen erkennen—zerstückelt, aber voller Geschichte. Metallschienen, die unschuldigen Menschen den Weg in die Hölle auf dem Ettersberg ebneten.

Die ersten Schritte auf dem Asphalt sind komisch. Man erkennt über den Hügel Umrisse einzelner Gebäude und die des Eingangstores zum ehemaligen Häftlingslager. Der Untergrund wird zu Schotter und schließt man die Augen, könnte man sich fast vorstellen, selber im Gleichschritt über das Gelände zu laufen. Allerdings in vernünftiger Kleidung, mit gefülltem Bauch und mit dem sicheren Gewissen, diesen Ort bei Belieben eigenständig und unverletzt wieder verlassen zu können.

Die Tour über das Gelände bringt immer weitere dunkle Geheimnisse ans Licht. Der Bunker, in dem Sommer dem Winter gleich war oder das Krematorium. Ein Platz, der mir innerhalb von Sekunden Tränen in dir Augen trieb—Warum? der einzige Gedanke in meinem Kopf.

Die kuratierte Ausstellung wieder verlassen, die genauere Einblicke in das tägliche (Über)leben und historische Kontexte bietet, spürt man im Gesicht einen Wind, der fast schon friedvoll daher weht. Es ist eine Stimmung, die widersprüchlicher nicht sein könnte. In wenigen Momenten in meinem Leben habe ich mich je so lebendig und frei gefühlt.

Jetzt Blickt man als 5 Jahrzehnte auf diesen Ort, über den zwischenzeitlich Gras, mittlerweile auch Bäume gewachsen sind. Dennoch wird vieles getan, um die unmenschlichen Verbrechen und ideologische, perverse Willkür aufzuklären und ihnen Raum für Erinnerung zu geben. Wichtige Schritte zur Aufarbeitung einer erschreckenden Geschichte.

Geschichte, die sich nicht wiederholen darf und uns eine Verantwortung in die Hände legt, genau dafür auch zu sorgen.

Regen

Fynn Kliemann

Wenn die Sonne meine Finger in den Teer klebt
Ist das erste bisschen Wasser immer heiß in dem Schlauch

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